Klimaneutrales Wohnen: Was dahintersteckt und was Sie tun können
Der Begriff „klimaneutrales Wohnen“ begegnet Ihnen in Wohnungsanzeigen, in Förderprogrammen und in der Politik. Gemeint ist damit ein Zustand, in dem beim Wohnen unterm Strich keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Ehrlich gesagt: Vollständig klimaneutral wohnt heute kaum jemand. Realistisch geht es darum, den CO₂-Ausstoß, der durch Heizen, Strom und Warmwasser entsteht, so weit wie möglich zu senken. In diesem Ratgeber erklären wir, was hinter dem Begriff steckt, welche Vorgaben es in Deutschland gibt, was Sie selbst im Alltag beeinflussen können und woran wir als Genossenschaft arbeiten.



Was bedeutet klimaneutrales Wohnen?
Ein Gebäude gilt als klimaneutral, wenn seine Treibhausgasemissionen im Betrieb rechnerisch bei null liegen. Dafür werden zwei Größen gegeneinandergestellt: der Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser und Strom auf der einen Seite; die Energie, die das Gebäude selbst erzeugt oder durch gute Dämmung gar nicht erst benötigt, auf der anderen. Je näher beide Werte beieinanderliegen, desto geringer die Klimawirkung.
Wichtig zu wissen: Ob ein Gebäude „klimaneutral“ ist, hängt stark davon ab, was mitgerechnet wird; nur der Betrieb oder auch der Bau, nur direkte Emissionen aus der Heizung oder auch der bezogene Strom. Deshalb sind pauschale Aussagen wie „klimaneutrales Haus“ mit Vorsicht zu lesen. Aussagekräftig wird es erst mit konkreten Zahlen und einer klaren Bezugsgröße.
Warum der Gebäudesektor so wichtig ist
Der Gebäudesektor gehört zu den großen Verursachern von Treibhausgasen. Rechnet man nur die direkten Emissionen aus Heizungen, verursachte er in Deutschland 2023 rund 15 % des gesamten Ausstoßes; zählt man den in Gebäuden verbrauchten Strom und die Fernwärme dazu, sind es laut Umweltbundesamt etwa 30 %.
Mit dem Klimaschutzgesetz hat sich Deutschland 2021 verpflichtet, bis 2045 treibhausgasneutral zu werden. Als Zwischenschritte sollen die Emissionen bis 2030 um 65 % und bis 2040 um 88 % gegenüber 1990 sinken. Für den Gebäudebestand bedeutet das: Millionen Wohnungen müssen in den nächsten 20 Jahren saniert und auf erneuerbare Wärme umgestellt werden.
Die Herausforderung: Klimaschutz und Bezahlbarkeit zusammenbringen
Solaranlagen, Wärmepumpen, neue Fenster und Dämmung kosten Geld in der Anschaffung und im Unterhalt. Für Vermieter*innen wie Mieter*innen stellt sich deshalb die Frage, wie die Energiewende im Gebäudesektor finanziert werden soll, ohne dass Wohnen unbezahlbar wird.
Als Wohnungsgenossenschaft sehen wir beide Seiten: Unsere Mitglieder wohnen in unseren Häusern, und unsere Mitglieder tragen über die Nebenkosten auch die Energiekosten. Unser Anspruch ist deshalb, Sanierungen so zu planen, dass sinkender Energieverbrauch die Investitionen langfristig mitfinanziert und die Warmmiete dabei im Blick bleibt. Was das konkret heißt, lesen Sie weiter unten.
Was Sie selbst tun können
Den größten Hebel beim Wohnen hat die Gebäudetechnik, jedoch macht Ihr Verhalten einen spürbaren Unterschied bei Verbrauch und Kosten. Laut co2online lassen sich allein durch richtiges Heizen, Lüften und weniger Warmwasserverbrauch kurzfristig bis zu 10 % Energie einsparen. n.
Im Alltag
- Lassen Sie das Auto stehen, wo es geht: ÖPNV, Fahrrad oder Carsharing statt Alleinfahrt.
- Trennen Sie Geräte im Stand-by komplett vom Netz: eine Steckdosenleiste mit Schalter reicht.
- Licht aus in Räumen, in denen Sie sich nicht aufhalten; LED statt Halogen.
- Duschen statt Baden, und das Wasser nicht länger laufen lassen als nötig – Warmwasser ist nach dem Heizen mit rund 15 % der zweitgrößte Energieposten im Haushalt.

Beim Heizen – der größte Posten im Haushalten
- Heizkörper nicht mit Möbeln oder Vorhängen abdecken.
- Heizkörper zu Beginn der Heizsaison entlüften.
- Stoßlüften statt Fenster auf Kipp und die Heizung dabei herunterdrehen.
- Eine konstante Basistemperatur halten statt ständig hoch- und runterzuregeln.
- Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart laut Verbraucherzentrale etwa
6 % Heizenergie.
Ausführliche Tipps finden Sie in unserem Ratgeber Heizkosten senken.

Was wir als Genossenschaft tun
Die Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft hat sich das Ziel gesetzt, ihre CO₂-Emissionen bis 2045 gegenüber 1990 um 88 % zu senken, was dem Wert entspricht, den das Klimaschutzgesetz bundesweit für 2040 vorgibt. Klimaneutral im strengen Sinn sind wir heute nicht und wir versprechen es auch nicht. Was wir tun, ist messbar: Wir stellen rund 1.000 Wohnungen von alten Gas-Etagenheizungen auf Blockheizkraftwerke, Brennwerttechnik oder Luftwärmepumpen um, bauen Photovoltaik auf unseren Dächern aus und sanieren Gebäudehüllen.
Zwei Beispiele aus Magdeburg:
- Pablo-Neruda-Straße 5–9: Bei der Modernisierung 2022–2024 haben wir die Gebäudehülle neu gedämmt und eine hinterlüftete Fassade aus vollständig recyclingfähigem Aluminium vorgehängt. Zugleich wurde das Dach für eine spätere Photovoltaikanlage vorbereitet.
- Projekt ELEMENT (2021–2024): Gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität, dilico und dem ifak Magdeburg haben wir untersucht, wie Lademöglichkeiten für E-Autos in Mehrfamilienhäusern funktionieren mit Strom, der teilweise aus eigenen PV-Anlagen und einem Blockheizkraftwerk stammt. Mehr zum Projekt ELEMENT finden Sie hier.
Unseren vollständigen Klimaschutzfahrplan und den Stand der Umsetzung finden Sie auf unserer Seite Nachhaltigkeit sowie unter Blick in die Zukunft. Außerdem sind wir Mitglied der Initiative Wohnen.2050, in der sich Wohnungsunternehmen branchenweit das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2045 gesetzt haben.
Häufige Fragen zum klimaneutralen Wohnen
Vollständig nicht, denn Heizung, Strom und Warmwasser verursachen immer Emissionen, deren Höhe vor allem von der Gebäudetechnik abhängt. Sie können Ihren Anteil aber durch bewusstes Heizen, Lüften und Stromsparen deutlich senken.
„Klimaneutral“ beschreibt einen Zustand, in dem rechnerisch keine Netto-Emissionen entstehen. „Klimafreundlich“ bedeutet lediglich, dass etwas weniger Emissionen verursacht als eine Vergleichslösung; ohne Angabe, wie viel weniger, sagt der Begriff wenig aus.
Nein, nicht automatisch. Eine Wärmepumpe senkt die Emissionen gegenüber einer Gasheizung erheblich, verbraucht aber Strom. Wie klimafreundlich sie ist, hängt davon ab, woher dieser Strom kommt
Wir haben uns ein Reduktionsziel von 88 % bis 2045 gegenüber 1990 gesetzt und bislang über 70 % erreicht. Den aktuellen Stand und unsere nächsten Schritte veröffentlichen wir auf unserer Nachhaltigkeitsseite.
